
Serielles Wohnen Haferkamp
Am Haferkamp in Hamburg entsteht das Konzept für einen seriellen Wohnungsbau als Holzmodulbau über einem bestehenden Parkplatz. Ein aufgeständerter Sockel erhält die heutige Nutzung und schafft zugleich die Grundlage für neuen Wohnraum sowie eine langfristige Weiterentwicklung des Standorts. Das Projekt verbindet Holzmodulbau, Low Tech und die Prinzipien des Hamburg Standards zu einem skalierbaren Ansatz für nachhaltigen und kostenreduzierten Wohnungsbau.
Key Info
Baubeginn
2025
Fertigstellung
2025
Kategorie
Wohnen
Größe
ca. 3.725 m² BGF R
Standort
Hamburg - Barmbek
Aufgabe
Apartmentwohnen, Wohngemeinschaften und Gemeinschaftsflächen
Planungsleistung
Studie - Innerstädtische Nachverdichtung mit seriell gefertigtem Holzmodulbau

Stadt weiterbauen
Das Projekt Haferkamp versteht Nachverdichtung als Weiterbauen an der vorhandenen Stadt. Statt zusätzliche Flächen zu versiegeln, wird ein bereits genutzter Parkplatz als Baupotenzial aktiviert. Der bestehende Gebäudebestand kann zunächst vollständig erhalten bleiben.
Der neue Baukörper schafft eine klare Adresse zum Haferkamp und ergänzt die bislang offene städtebauliche Situation. In seiner Höhenentwicklung nimmt er Bezug auf die Hochpunkte der Umgebung und reagiert zugleich auf die benachbarte Kirche. Durch ein gezieltes Anknüpfen und Zurückweichen entsteht ein eigenständiger Baukörper, der die Kirche respektiert und ihre stadträumliche Wirkung stärkt.
Gleichzeitig ist das Gebäude als erster Baustein einer möglichen langfristigen Transformation gedacht. Weitere Bauabschnitte können perspektivisch an das neue Volumen anschließen und den Standort schrittweise weiterentwickeln.
Bauen über dem Bestand
Die besondere Ausgangssituation wird zum konstruktiven Prinzip des Entwurfs. Der Neubau ruht auf einem aufgelösten, tischartigen Sockel und überspannt große Teile der bestehenden Parkplatzfläche.
Damit bleiben Stellplätze und Anlieferung zunächst nutzbar. Gleichzeitig entsteht eine offene Erdgeschosszone mit Zugängen und gemeinschaftlichen Funktionen. Sollte sich die Nutzung des Grundstücks langfristig verändern, kann der Sockel weitergebaut und beispielsweise für zusätzliche Gewerbe, soziale oder gemeinschaftliche Nutzungen geschlossen werden.
So wird aus einer zunächst funktionalen Lösung eine robuste Struktur, die auf zukünftige Entwicklungen reagieren kann.


Nachhaltigkeit durch weniger
Die Nachhaltigkeitsstrategie beginnt bereits mit der Standortentscheidung. Die Überbauung einer bestehenden versiegelten Fläche ermöglicht zusätzlichen Wohnraum, ohne neue Grundstücksflächen in Anspruch zu nehmen.
Der überwiegende Einsatz von Holz, der hohe Vorfertigungsgrad sowie langlebige und austauschbare Fassadenbauteile reduzieren Ressourcenverbrauch und unterstützen eine kreislauffähige Konstruktion. Begrünte Dächer, Photovoltaik und gemeinschaftlich nutzbare Außenbereiche ergänzen das Konzept.
Kurze Bauzeiten und wiederholbare Bauteile schaffen zugleich ökonomische Vorteile. Planung, Produktion und Montage werden als zusammenhängender Prozess gedacht.

Flexibel wohnen
Das modulare Raster ermöglicht unterschiedliche Wohnformen innerhalb eines gemeinsamen konstruktiven Systems. Vorgesehen sind kompakte Apartments ebenso wie größere Wohngemeinschaften, barrierefreie Einheiten und gemeinschaftlich nutzbare Bereiche.
Das Gebäude kann damit auf unterschiedliche Nutzergruppen reagieren und beispielsweise für Auszubildendenwohnen, gemeinschaftliche Wohnformen oder als Ergänzung bestehender Pflegeangebote genutzt werden.
Die kompakte Mittelflurerschließung und klar organisierte Grundrisse reduzieren Verkehrsflächen und erhöhen die Flächeneffizienz. Zwei durchgesteckte Treppenhäuser übernehmen gleichzeitig wesentliche Funktionen der Aussteifung und Erschließung.

Low Tech und Hamburg Standard
Auch das technische Konzept folgt dem Prinzip der Vereinfachung. Anstelle komplexer Gebäudetechnik setzt der Entwurf auf robuste, wartungsarme und gut skalierbare Lösungen nach den Prinzipien des Hamburg Standards.
Die Wärmeversorgung erfolgt über Fernwärme, die Warmwasserbereitung dezentral. Ein einfaches Abluftkonzept ersetzt aufwendige zentrale Lüftungsanlagen. Photovoltaik auf den Dachflächen ergänzt das Energiekonzept und kann perspektivisch auch für Mieterstrommodelle genutzt werden.
Ziel ist nicht maximale technische Ausstattung, sondern ein dauerhaft funktionierendes Gebäude mit niedrigen Investitions, Wartungs und Betriebskosten.

Seriell in Holz
Über dem Sockel wird das Gebäude konsequent als serieller Holzmodulbau entwickelt. Vorgefertigte Raummodule werden im Werk produziert und weitgehend fertig auf die Baustelle geliefert. Bäder, Küchen und technische Installationen können bereits Bestandteil der Module sein.
Die Modulabmessungen sind auf einen wirtschaftlichen Transport abgestimmt. Vorfertigung, Transport und Montage greifen dabei als durchgängiger Prozess ineinander. Dadurch lassen sich Bauzeiten reduzieren, Abläufe auf der Baustelle vereinfachen und die Qualität der Ausführung erhöhen.
Die serielle Bauweise bedeutet dabei nicht die Wiederholung eines fertigen Gebäudes. Standardisiert werden vielmehr Bauteile, Raster und Prozesse. Architektur und Städtebau können weiterhin präzise auf den jeweiligen Ort reagieren.
Architektur aus dem System
Die Vorfertigung bestimmt die Architektur, ohne sie zu dominieren. Die rötlich natürliche Fassadenfarbigkeit nimmt Bezug auf die für Barmbek charakteristischen Rotklinkerbauten und übersetzt diese in eine zeitgemäße Materialität.
Großzügige Balkone und gemeinschaftliche Freiräume gliedern das kompakte Volumen und erweitern die Wohnungen nach außen. Der skulpturale Sockel bildet dazu einen robusten städtischen Unterbau.
So entsteht eine Architektur, bei der Konstruktion, Wirtschaftlichkeit und Gestaltung nicht getrennt voneinander betrachtet werden.
Ansprechpartner*in
Kilian Jonak
Dipl.-Ing. Architekt
