Rugenbarg

Neues Wohnen am Rugenbarg, Hamburg

Auf dem Gelände angrenzend an die denkmalgeschützte Baudissin Kaserne in Hamburg entsteht eine echte städtebauliche Transformation: Aus diffusen Strukturen entwickelt sich ein klar gegliedertes, grünes Quartier aus vier „Hofnachbarschaften“ mit je rund 100 Wohneinheiten. Wirtschaftlich effizient und klimaresilient geplant.

Key Info

Projektstart

2026

Fertigstellung

2028

Kategorie

Wettbewerbe, Städtebau, Quartiere, Wohnen

Auftraggeber

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben

Größe

42.000 m2 BGF mit über 400 Wohneinheiten

Standort

zwischen Rugenbarg und Blomkamp, Hamburg Osdorf

Energiestandard

Effizienzhaus 55, Hamburg Standard

Aufgabe

städtebaulich-freiraumplanerischer Wettbewerb für ein klimaresilientes und nachhaltiges Wohnquartier

Auszeichnung

1.Preis im städtebaulich freiraumplanerischen Workshopverfahren

Freiraumplanung

MERA GmbH

Planungsleistung

städtebauliches Workshopverfahren, Funktionsplanung, Begleitung des Bebauungsplanverfahrens

Visualisierung

LRW/MERA

Rugenbarg

Grüne Wohnhöfe für neue Nachbarschaften

Transformation an der Baudissin Kaserne

Im Westen Hamburgs entsteht aus stadträumlich diffusen Strukturen ein klar gegliedertes Wohnquartier, das sich aus dem landschaftlichen Kontext, der Geschichte des Ortes und dem baulichen Bestand entwickelt. Die besondere Lage an der Osdorfer Feldmark mit ihrer bewegten Topografie, Hügeln, Böschungen und einem von Nord nach Süd abfallenden Gelände prägt den Ort.

Dem gegenüber stehen großmaßstäbliche Anlagen wie die denkmalgeschützte Kaserne sowie Siedlungsstrukturen der 1950er Jahre mit stadträumlich diffusen Zeilenstrukturen, undefiniertem Grünraum und fehlender Nachbarschaftsbildung.

Ziel ist es, diese Strukturen neu zu formatieren und in klar lesbare Nachbarschaften zu transformieren.

Leitidee
Leitidee
Lageplan
Lageplan

Vier Höfe, vier Nachbarschaften

Das Konzept ergänzt die vorhandene Nachbarschaft um drei grün geprägte „Hofnachbarschaften“ mit jeweils rund 90 bis 110 Wohneinheiten. Dichte und Körnung orientieren sich am Bestand der Umgebung.

Das Motiv des „Vierseithofs“ wird neu interpretiert: Aus dem ehemaligen Wirtschaftshof entsteht der „Hof der Nachbarschaften“ als gemeinschaftliche Mitte. Die bauliche Fassung konzentriert sich auf den Hofraum und schirmt zugleich gegenüber der lärmbelasteten Straße Rugenbarg im Norden ab.

Prägnante Kopfbauten markieren die Eingänge zum Quartier und stärken die Adressbildung. Entlang der zentralen Erschließung sind Gebäudehöhen von bis zu sechs Geschossen möglich, während in den rückwärtigen Bereichen drei- bis viergeschossige Gebäude einen maßstäblichen Übergang zur bestehenden Bebauung herstellen.

Quartiersband als verbindendes Rückgrat

Eine zentrale Nord-Süd-Achse verknüpft die vier Hofnachbarschaften und bildet das „Quartiersband“ als durchgehende Wegeverbindung mit unterschiedlichen Stationen und einer übergeordneten Durchwegung.

Zwischen den Höfen entstehen Orte für nachbarschaftliche Aktionen und informelle Treffen. Multicodierte Gemeinschaftsflächen bieten Raum für unterschiedliche Nutzungen und individuelle Aneignung, ergänzt durch gezielte Aktivitätsangebote.

Die Höfe sind autofrei und nicht für die Befahrbarkeit durch die Feuerwehr vorgesehen, sodass sie vollständig als gemeinschaftliche Aufenthalts- und Grünräume genutzt werden können.

Rugenbarg
Rugenbarg
Rugenbarg
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Visualisierung Quartiersband

Visualisierung Nachbarschaftshöfe

Rugenbarg

Gemeinschaft nach Innen, Differenzierung nach Außen

Zum Inneren der Höfe öffnen sich die Gebäude mit durchlässigen Fassadenstrukturen, vorgestellten Freisitzen und offenen Treppenhäusern. Diese ermöglichen eine enge Verzahnung von Wohnen und gemeinschaftlich genutzten, begrünten Innenhöfen und machen die grüne Lagequalität mit dem alten Baumbestand erlebbar.

Die großzügigen Freisitze fördern Aufenthalt und Austausch im halböffentlichen Raum.

Nach außen präsentieren sich die Baukörper geschlossener und klar gefasst. Diese Differenzierung stärkt die Ablesbarkeit der einzelnen „Hofnachbarschaften“. Angefügte Freisitze erweitern die Wohnungen durch private Außenräume.

Karin Loosen

Der Hamburg Standard greift bereits im Städtebau: mehr Einfachheit und ein klarer Fokus auf Gestaltung und Baukultur.

Rugenbarg

Qualitativer Städtebau im Hamburg Standard

Die Gebäude sind als einfache, kompakte und flexible Baukörper konzipiert, die auch Wiederholungseffekte und Serialität ermöglichen.

  • Minimierte Erschließung, effiziente Rettungswege stehen im Verhältnis zu den jeweiligen Gebäudehöhen und ermöglichen den Verzicht auf Sicherheitstreppenräume sowie eine wirtschaftliche Gebäudestruktur.
  • Eingestellte oder außenliegende Treppenhäuser können kostengünstig realisiert werden und öffnen sich zu den angrenzenden Grünräumen.
  • Da eine Unterkellerung nicht vorgesehen ist, werden Abstellflächen überwiegend innerhalb der Wohnungen organisiert; zusätzliche Flächen, beispielsweise für Haustechnik oder weitere Abstellangebote, können auf den Dachflächen untergebracht werden.
  • Die konstruktionsoffene Schottenbauweise mit geringen Deckenspannweiten ermöglicht flexible Grundrisse.
  • Die Fassaden sind als Vorhangfassaden konzipiert und können als Holz-, oder Keramik ausgeführt werden.
  • Vorgestellte Freisitze tragen zur räumlichen Gliederung der Baukörper bei.
Rugenbarg
Rugenbarg
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Leitidee Isometrie

Piktogramme

Piktogramme

Klimaresilienter Freiraum

Die Freiraumgestaltung folgt einer naturnahen und klimaresilienten Pflanzkonzeption. Offene Wiesenflächen mit Solitärgehölzen und Strauchgruppen greifen die landschaftlichen Motive der Osdorfer Feldmark auf und übersetzen sie in den Maßstab des Quartiers.

Der wertvolle und identitätsstiftende Baumbestand mit Eichenknicks, Solitärgehölzen und einem kleinen Wäldchen bleibt weitgehend erhalten, wird in die neue Quartiersstruktur eingebunden und durch Neupflanzungen ergänzt.

Ergänzend entstehen ökologisch wertvolle Saumstrukturen an den Quartiersrändern, die geschützte Rückzugsräume für Kleintiere und Vögel bieten.

Regenwasser als Teil des Freiraums

Flache Retentionsmulden in den Höfen und entlang des „Quartiersbandes“ prägen das Freiraumbild, verbessern das Kleinklima, leisten einen Beitrag zur Starkregenvorsorge und fungieren zugleich als bespielbare Räume.

Die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung sieht vor, dass jeder Hof in Verbindung mit Gründachflächen über ausreichend dimensionierte Mulden verfügt, um Niederschlagswasser vor Ort versickern zu können. Retentionsdächer auf den Tiefgaragendächern, ergänzen dieses System.

Der Versiegelungsgrad wird auf ein Minimum reduziert. Die verwendeten Belagsmaterialien sind in der Lage, Niederschlagswasser temporär aufzunehmen, zu speichern und der Verdunstung zuzuführen.

Ansprechpartner*in

David Sommer

Dipl.-Ing. Architekt, Stadtplaner

David Sommer
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